elektronische-buecher.net

Wie viel müssten E-Books eigentlich kosten?

E-Books sind teuer, bekommt man oft zu hören. Wie viel müssten E-Books eigentlich - im Vergleich zum gedruckten Buch - kosten?

Dieser Frage wird anhand von Math of Publishing Meets the E-Book - ein Artikel der New York Times - und dem Artikel Was kostet ein Buch? Und warum sind eBooks nicht kostenlos? vom Verlag Berlin Story nachgegangen.

Wo entstehen Kosten bei Büchern und E-Books?

Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick, wodurch Kosten bei der Erstellung eines Buches bzw. E-Books anfallen können:

Mögliche Kostenpunkte zur Herstellung
Die Kosten für Bücher entstehen durch: Die Kosten für E-Books entstehen durch:
Autor Autor
Bildrechte Bildrechte
Covergestaltung ( = Einbandgestaltung) Covergestaltung
Druck
Freiexemplare Freiexemplare (auch hier können Lizenzkosten für Bilder anfallen)
Lager
Marketing Marketing
Rabatte für den Buchhandel Provisionen für die Online-Shops, die die E-Books verkaufen
Satz Satz
Typografie und Layout Typografie und Layout
Überschuss vor der Steuer Überschuss vor der Steuer
Vertrieb Vertrieb
weiteres Personal weiteres Personal
weitere Kosten wie Strom, Miete usw. weitere Kosten wie Strom, Miete usw.

Die Druck- und Lagerkosten entfallen bei E-Books.

Anstatt der Rabatte für den Buchhandel muss bei E-Books eine Provision an den Online-Shop gezahlt werden, der die E-Books zum Download anbietet. Für den Vertrieb fallen dem Verlag bei E-Books geringere Kosten an.

Der Kostenaufwand für die einzelnen Posten ist natürlich auch davon abhängig, ob man das Buch in gedruckter oder elektronischer Form herstellt.

Aufteilung der Kosten laut New York Times

Die New York Times vergleicht in dem oben genannten Artikel die Kosten von Hardcovern für 26,00 US-$ mit dem gleichen Werk für 12,99 US-$ als E-Book. Um ein ungefähres Bild von den einzelnen Kostenpunkten zu bekommen, sind mehrere Verlage und Berater der Verlagsindustrie befragt worden. Die Aufteilung der einzelnen Posten kann man anhand folgender Tabelle sehen:

Kostenpunkte zur Herstellung laut Umfrage der New York Times
Buch für  26,00 US-$ E-Book für  12,99 US-$
Rabatte für den Buchhandel - 13,00 US-$ Provisionen für die Online-Shops, die die E-Books verkaufen - 3,90 US-$
Autor - 3,90 US-$ Autor - 2,27 bis - 3,25 US-$
Druck, Lagerung und Versand - 3,25 US-$
Design, Schriftsetzen und Lektorat - 0,80 US-$ Digitalisierung, Schriftsetzen und Lektorat - 0,50 US-$
Marketing - 1,00 US-$ Marketing - 0,78 US-$
Gewinn ohne Fixkosten (z. B. Gehälter für Angestellte, Strom und Miete) = 4,05 US-$ Gewinn ohne Fixkosten (z. B. Gehälter für Angestellte, Strom und Miete) = 4,56 bis 5,54 US-$

Man muss aber auch beachten, dass bei der New York Times Hardcover mit E-Books verglichen werden. Bei Taschenbüchern sind die Kostenunterschiede nicht so groß.

Man kann diese Werte nicht auf jedes E-Book anwenden. Es wird hier nur ein Durchschnitt angegeben.

Aufteilung der Kosten laut dem Verlag Berlin Story

Die beiden Tortendiagramme sind mit freundlicher Genehmigung des Verlags Berlin Story abgebildet.

Das folgende Tortendiagramm beruht auf einem Projekt mit einer Erstauflage von 1000 Büchern.

Aufteilung der Kosten für ein Buch:

Aufteilung der Kosten für ein Buch vom Verlag Berlin Story als Tortendiagramm

In der nächsten Grafik - der Kostenverteilung bei E-Books - werden in der Legende auch Posten aufgeführt, die nicht zum Tragen kommen. Beispielsweise tauchen in der Grafik Druckkosten auf. Diese haben aber den Wert 0 €, damit man die Farben im Tortendiagramm miteinander vergleichen kann. Absolute Zahlen tauchen im Artikel leider nicht auf.

Aufteilung der Kosten für ein E-Book:

Aufteilung der Kosten für ein E-Book vom Verlag Berlin Story als Tortendiagramm

Gemeinsamkeiten

Anhand beider Artikel kann man einige Schlüsse ziehen:

  • Die Druckkosten machen nur einen kleinen Anteil der Bücherkosten aus.
  • Der Buchhandel ist für den größten Kostenposten der Bücher verantwortlich.
  • Es gibt sowohl bei den Büchern als auch bei den E-Books viele verschiedene Kostenpunkte.
  • Bei E-Books können Verlage - im Vergleich zum Buch - bei einem günstigeren Preis einen höheren Gewinn erzielen.

Die Zahlen beziehen sich bei der New York Times auf die USA, wohingegen der Verlag Berlin Story sich auf Deutschland bezieht. Dadurch entstehen natürlich Unterschiede. Außerdem bezieht sich Berlin Story auf ein Projekt, wodurch man deren Zahlen nicht als repräsentativ für Deutschland nehmen kann. Trotzdem werden interessante Fakten aufgezeigt, die Einblicke geben, über die sonst nur spekuliert wird.

Kosten für E-Books im Selbstverlag

Im Selbstverlag macht der Autor vieles selbst, was ansonsten ein Verlag übernimmt. Am ehesten zahlt der Autor wohl noch etwas für die Covergestaltung. Der Verkaufserlös wird im Selbstverlag nur zwischen dem Autor und der Plattform, die das E-Book zum Download anbietet, aufgeteilt.

Im Selbstverlag erhält der Autor normalerweise etwa 30 - 70 % des Verkaufspreises des E-Books. Ermöglicht wird so etwas z. B. durch Amazons Kindle Direct Publishing. Die Provisionen sind teilweise vom Preis abhängig. So kann der Autor für ein Werk vielleicht nur einen Anteil 30 % bekommen, bei einem anderen Preis aber 70 %.

Selbstverlegte Werke werden oft zu einem Preis von 99 Cent angeboten. Würden Verlage alle E-Books nur für 99 Cent anbieten, würden oftmals Verluste oder nur sehr geringe Gewinne gemacht. Im Selbstverlag entstehen zwar weniger Kosten in finanzieller Hinsicht, aber sehr viel Zeit wird gebraucht. Im Selbstverlag können die Kosten niedrig gehalten werden, aber dafür muss vom Autor wesentlich mehr Zeit in das Projekt gesteckt werden.

Meistens gibt es selbstverlegte Werke nicht als gedrucktes Buch, sondern nur in elektronischer Form zu kaufen.

Wer ist für die oft vergleichsweise hohen Kosten bei E-Books verantwortlich?

Laut New York Times sind die Kosten von Druck, Lager und Versand für Hardcover-Bücher zusammen für durchschnittlich 12,5 % des Preises verantwortlich. Bei Taschenbüchern ist es noch weniger.

Beim Verlag Berlin Story kommen, wie man der Grafik entnehmen kann, diese Kosten auf etwa 20 %. Je nach Werk und Auflage sind die Druck-, Lager- und Versandkosten von Büchern also für etwa 12,5 bis 20 Prozent des Gesamtpreises verantwortlich.

Wenn kaum ein Preisunterschied zwischen einem gedruckten Buch und dem gleichen Werk als E-Book vorhanden ist, ist oftmals der Verlag daran schuld. Dieser kann versuchen, beim E-Book mehr Gewinn herauszuholen, als beim Buch.

Sehr großen Buchhändlern sollen Rabatte um die 50 % auf gedruckte Bücher gegeben werden. Dieser Kostenpunkt wird bei den E-Books durch die Provision an die Online-Shops ersetzt. Bei bestimmten Preisbereichen kann diese Provision aber oftmals auf etwa 30 % des Preises gesenkt werden. Die gesenkten Kosten werden aber oft nicht an die Verbraucher weitergegeben.

In Deutschland werden auf die Preise der E-Books 19 % Mehrwertsteuer aufgeschlagen, obwohl auf Bücher nur 7 % Mehrwertsteuer erhoben wird. Dies verteuert die E-Books leider zusätzlich.

Mit der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung werden zudem Preiskämpfe unterbunden.

Fazit

Die in diesem Artikel aufgegriffenen Zahlen können nicht auf jedes E-Book und gedruckte Buch übertragen werden. Dennoch geben sie einen Einblick in die Kosten, die für die Erstellung eines Buchs in gedruckter und elektronischer Form entstehen.

In Deutschland sind E-Books durchschnittlich etwa 20 % billiger als die gedruckte Version. Trotzdem könnten viele E-Books noch etwas billiger sein, wenn man die Umfrage der New York Times und den Wegfall des Anteils für den Buchhandel bedenkt.

Ein kleiner Trost sind zumindest die oft kostenlosen Klassiker in elektronischer Form und manche Gratisaktionen.


War der Beitrag für Sie wertvoll? Wollen Sie auf dem neusten Stand bleiben, wenn es um Tablet-PCs und E-Book-Reader geht?
Dann abonnieren Sie doch einfach den RSS-Feed:

RSS-Feed RSS-Feed abonnieren